Energie erzeugen, speichern und dort einsetzen, wo sie gebraucht wird

Am Entsorgungszentrum Warden entsteht Energie nicht nur vor Ort. Sie wird auch gespeichert, intelligent verteilt und genau dort eingesetzt, wo sie im Betrieb benötigt wird.

Dafür verbinden wir verschiedene Bausteine zu einem gemeinsamen Energiesystem: Photovoltaikanlagen, ein mit Deponiegas betriebenes Blockheizkraftwerk, einen Batteriespeicher, leistungsfähige Ladeinfrastruktur sowie zunehmend elektrische Fahrzeuge und Arbeitsmaschinen.

Das Ziel: Energie möglichst effizient nutzen, Lastspitzen reduzieren, den Einsatz fossiler Energieträger verringern und gleichzeitig die Versorgungssicherheit des Standortes gewährleisten.

Energie aus Photovoltaik und Deponiegas

Einen wichtigen Baustein bilden die Photovoltaikanlagen auf den Dachflächen des Entsorgungszentrums. Mit einer Leistung von rund 1,4 Megawattpeak können sie jährlich etwa 1,3 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugen.

Rechnerisch entspricht das dem jährlichen Stromverbrauch von rund 340 Vierpersonenhaushalten bei einem angenommenen Verbrauch von 3.800 Kilowattstunden pro Jahr. Ergänzt wird die Photovoltaik durch ein Blockheizkraftwerk mit rund 250 Kilowatt elektrischer Leistung. Es nutzt das am Standort entstehende Deponiegas zur Stromerzeugung.

Die erzeugte Energie versorgt unter anderem die Gebäude, die Sickerwasseraufbereitungsanlage sowie den zunehmend elektrifizierten Fuhr- und Maschinenpark.

Batteriespeicher gleicht Erzeugung und Verbrauch aus

Da Stromerzeugung und Energiebedarf nicht immer gleichzeitig auftreten, kommt ein Batteriespeicher zum Einsatz. Mit einer Kapazität von 540 Kilowattstunden und einer Leistung von insgesamt 270 Kilowatt kann er Energie zwischenspeichern, Lastspitzen abfangen und kurzzeitige Schwankungen ausgleichen. Auch Unterbrechungen des Deponiegas-BHKW, beispielsweise während Wartungsarbeiten, können teilweise überbrückt werden.

Projektleiter Oliver Bode erklärt:

„Die besondere Stärke liegt nicht in einer einzelnen Anlage, sondern im Zusammenspiel: Wir erzeugen Energie vor Ort, speichern sie, begrenzen Lastspitzen und stellen sie genau dann bereit, wenn unsere Fahrzeuge und Arbeitsmaschinen sie benötigen.“

Bis zu 400 Kilowatt Ladeleistung

Ein weiterer zentraler Bestandteil ist die Ladeinfrastruktur. Am Standort stehen Ladeleistungen von bis zu 400 Kilowatt zur Verfügung. Damit können nicht nur Pkw, sondern auch schwere Nutzfahrzeuge und Arbeitsmaschinen elektrisch betrieben werden. Von den vier am Standort eingesetzten Lkw fahren bereits zwei rein batterieelektrisch. Hinzu kommen elektrische Baumaschinen und weitere Arbeitsgeräte.

Das öffentliche Stromnetz bleibt weiterhin eingebunden und dient sowohl als zusätzliche Energiequelle als auch zur Absicherung des Betriebs.

Elektrifizierung beginnt nicht erst beim Fahrzeug

Der Standort Warden zeigt, dass der Umstieg auf Elektromobilität deutlich mehr umfasst als den Austausch eines dieselbetriebenen Fahrzeugs gegen ein elektrisches Modell. Entscheidend ist die gesamte Infrastruktur dahinter. Energieerzeugung, Batteriespeicherung, Ladeleistung und betriebliche Abläufe müssen gemeinsam betrachtet und aufeinander abgestimmt werden.

„Als kommunales Unternehmen denken wir Entsorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und Klimaschutz gemeinsam. In Warden schaffen wir eine Infrastruktur, die uns unabhängiger von fossilen Energieträgern macht und unseren Betrieb Schritt für Schritt zukunftsfähiger aufstellt“, so AWA-Geschäftsführerin Maren Killewald.

Weniger Energieverbrauch und geringere Emissionen

Wie groß die Einsparpotenziale elektrischer Arbeitsmaschinen sein können, zeigen die Auswertungen am Standort.

Ein Elektrobagger benötigt im Vergleich zu einem herkömmlichen Dieselbagger rund 54 Prozent weniger Antriebsenergie. Bei Nutzung des regenerativ erzeugten Eigenstroms können die Energiekosten um bis zu 76 Prozent und die Treibhausgasemissionen um bis zu 91 Prozent sinken.

Auch bei einer elektrischen Sattelzugmaschine zeigen sich deutliche Vorteile. Gegenüber einem Diesel-Lkw werden rund 63 Prozent weniger Antriebsenergie benötigt. Bei Nutzung des vor Ort erzeugten regenerativen Stroms können die Energiekosten um bis zu 82 Prozent und die Treibhausgasemissionen um bis zu 93 Prozent reduziert werden.

Klimaschutz systematisch weiterentwickeln

Das Energiekonzept ist Teil eines größeren Transformationsprozesses innerhalb der AWA.

Seit 2025 verfügt das Unternehmen über ein nach DIN EN ISO 50001 zertifiziertes Energiemanagementsystem. Damit werden Energieverbräuche und Einsparpotenziale systematisch erfasst, bewertet und weiterentwickelt. Die Treibhausgasbilanz der AWA weist für das Jahr 2025 Emissionen von rund 2.113 Tonnen CO₂-Äquivalenten aus. Ohne bereits umgesetzte Maßnahmen läge der Ausgangswert bei rund 3.681 Tonnen pro Jahr.

Bis 2030 sollen die jährlichen Treibhausgasemissionen auf rund 957 Tonnen CO₂-Äquivalente sinken. Gegenüber dem konventionellen Ausgangsszenario entspricht das einer Reduzierung um rund 74 Prozent.

Ein Ansatz auch für andere kommunale Standorte

Das Konzept in Warden kann auch für andere kommunale Entsorgungszentren und Betriebshöfe interessant sein.

Viele dieser Standorte verfügen über große Dachflächen, eigene Energiequellen, planbare Fahrzeugeinsätze und gleichzeitig hohe Leistungsspitzen. Werden diese Faktoren von Beginn an gemeinsam betrachtet, können Eigenversorgung, Wirtschaftlichkeit, Versorgungssicherheit und Klimaschutz miteinander verbunden werden.

Warden zeigt damit, wie die Energieversorgung eines kommunalen Betriebsstandortes Schritt für Schritt weiterentwickelt werden kann: Energie vor Ort erzeugen, sinnvoll speichern und genau dort einsetzen, wo sie gebraucht wird.

v. l.: Susanne Lo Cicero-Marenberg (Technische Dezernentin der StädteRegion Aachen),
Tim Krämer (Bürgermeister der Stadt Alsdorf), Heiko Thomas (Beigeordneter der Stadt
Aachen), Simon Winkelhage (Voltfang GmbH), Dr. Ralf Nolten (Landrat des Kreises Düren),
Achim Blindert (Allgemeiner Vertreter des Landrates des Kreises Euskirchen), Maren
Killewald (Geschäftsführerin der AWA Entsorgung GmbH), Oliver Bode (Projektleiter)

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